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Wer sind die Medizinerinnen und Mediziner unseres Landes?

Gepostet: 21.12.2021
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Der Schweizerische Berufsverband der Ärzte FMH publiziert jedes Jahr seine Ärztestatistik. erfasst die Anzahl Medizinerinnen und Mediziner die in der Schweiz arbeiten. Zudem gibt die Statistik einen detaillierten Einblick in die Demographie.

Das zeigt die FMH-Ärztestatistik 2020

Jedes Jahr arbeitet der Schweizerische Berufsverband der Ärzte FMH seine Ärztestatistik aus. Sie zeigt auf, wie viele Medizinerinnen und Mediziner es in der Schweiz gibt und wo sie arbeiten. Zudem ermöglicht sie einen detaillierten Einblick in die Demographie.

Auf dieser Grundlage entsteht die FMH-Ärztestatistik

Stichtag für die jährlich vorgenommene Erhebung ist der 31. Dezember. Als Grundlage für die Auswertung der Daten nutzen die Verantwortlichen die FMH-Datenbank, in der Informationen zu mehr als 38,000 Medizinerinnen und Medizinern aus der Schweiz erfasst sind. Die Datenbank enthält ausserdem wichtige demographische Details wie

  • Geschlecht,
  • Nationalität,
  • Alter
  • und Ort der Berufsausübung.

Um die Statistik mit weiteren Daten zu ergänzen, führt der Schweizerische Berufsverband der Ärzte FMH zusätzlich eine Befragung über das Mitgliederportal durch. An dieser nahmen 2020 18.533 Medizinerinnen und Mediziner teil. Die Ärzte-Statistik kann hier vollständig eingesehen werden.

38,502 Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz

Insgesamt sind in der Schweiz laut Statistik 38,502 Ärztinnen und Ärzte tätig. Das sind im Vergleich zu 2019 rund 620 mehr. Auf den ersten Blick sieht es folglich so aus, als verbessere sich die Versorgungssituation in der Schweiz, während in anderen europäischen Ländern ein immer stärkerer Fachkräftemangel besteht.

Eine spannende Information an dieser Stelle ist jedoch, dass sich anhand der Umrechnung auf Vollzeitäquivalente eine weniger deutliche Vermehrung der Arbeitskraft offenbart. So errechneten die Verantwortlichen für 2019 rund 33,486 Vollzeitäquivalente. Für 2020 waren es mit 33,496 also nur rund zehn Vollzeitkräfte mehr.

Immer mehr Medizinerinnen und Mediziner entscheiden sich gegen einen Vollzeitjob und für Teilzeit-Modelle. Dies etwa aus Gründen wie Familienplanung oder auch im Zuge einer verbesserten Work-Life-Balance. Für ein Vollzeitäquivalent braucht es insgesamt 55 Wochenstunden.

Viele Medizinerinnen und Mediziner stammen nicht aus der Schweiz

Die Schweiz ist ein Land, das aufgrund von Mehrsprachigkeit, einer guten Lebensqualität und Bezahlung sowie der zentralen Lage innerhalb Europas geradezu prädestiniert dafür ist, um Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuziehen.

Auch im Bereich der Gesundheitsversorgung wird dies deutlich. Der ärztliche Berufsverband merkt an, dass der Anteil ausländischer Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz höher ausfällt als in anderen Ländern.

Fachkräftemangel auch jenseits der Grenzen

Einerseits erachten die Expertinnen und Experten es als positiv, dass ausländische Kräfte die Versorgung sichern, andererseits offenbart dies die Abhängigkeit von anderen Ländern.

Eine Verschlimmerung des Ärztemangels in Ländern ausserhalb der Schweiz könnte auch durch Abwanderung befeuert werden. Dies gilt es im Kampf gegen den Fachkräftemangel in ganz Europa zu bedenken. Auch in anderen Ländern zeigt sich dies indes. Der Zuzug von Fachkräften aus Osteuropa ist beispielsweise in Deutschland ein bedeutender Faktor, wenn es um die Sicherstellung der medizinischen Versorgung geht.

Was die konkreten Zahlen betrifft, so sind 37,4 Prozent – rund 14,386 – der Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz ausländischer Herkunft. Von 2019 auf 2020 erhöhte sich dieser Anteil um 1,1 Prozent und fällt im Spitalsektor mit 40,5 Prozent höher aus als im Praxissektor mit 34,5 Prozent.

Besonders häufig scheinen sich Menschen aus Deutschland für Ärzte-Jobs in der Schweiz zu interessieren. Sie machen rund 52,6 Prozent aller ausländischen Medizinerinnen und Mediziner aus. Abgesehen hiervon stammen unter anderem

  • 9,1 Prozent aus Italien,
  • 7,1 Prozent aus Frankreich
  • und 6 Prozent aus Österreich.

Die Versorgungslage innerhalb der Schweiz ist ebenfalls Thema der Ärztestatistik. Wie viele Einwohner auf einen berufstätigen Arzt kommen, konnte für 2020 allerdings noch nicht ermittelt werden, da konkrete Einwohnerzahlen fehlen. In den Jahren zuvor hat sich die Quote jedoch kontinuierlich verbessert. So kamen 2014 noch 240 Menschen auf einen Mediziner, während es 2019 nur noch 222 waren.

Fachgebiete: Hier arbeiten unsere Medizinerinnen und Mediziner

Die meisten Ärztinnen und Ärzte, nämlich 8,373 an der Zahl, arbeiten im Fachgebiet Allgemeine Innere Medizin. Ohne Hauptfachgebiet geführt sind in der Statistik insgesamt 5,128 Medizinerinnen und Mediziner.

Stark vertreten unter den Fachrichtungen sind darüber hinaus

  • Psychiatrie und Psychotherapie mit 3,889,
  • Gynäkologie und Geburtshilfe mit 1,949
  • und Ophthalmologie mit 1,080.

Es gibt folglich weniger Fachärzte, die beispielsweise bei Augenerkrankungen im Kindesalter konsultiert werden können, als Fachärzte für psychiatrische Krankheitsbilder. Das wiederum bedeutet aber nicht zwingend, dass ein Mangel besteht, denn nicht in jedem Gebiet ist der Bedarf gleich hoch. Die wenigsten Fachkräfte – rund 32 – fanden sich in der Statistik aus 2020 im Fachbereich Medizinische Genetik.

Bezüglich der Aufteilung in Sektoren wird eine nicht ganz hälftige Verteilung sichtbar: So waren im vergangenen Jahr 20,301 Ärztinnen und Ärzte im Praxissektor und 17,610 im Spitalsektor tätig.

Geschlechterverteilung in der Schweizer Medizin

Auch heute noch arbeiten in der Medizin mehr Männer als Frauen. Dies ändert sich allerdings seit einigen Jahren zunehmend und es findet eine Annäherung statt.

So lag der Männeranteil 2013 noch bei 61,4 Prozent, wohingegen es 2020 56,1 Prozent waren. Umgekehrt lag der Frauenanteil 2013 bei 38,6 Prozent und 2020 bei 43,9 Prozent. Vor allem die Bemühungen von Klinikbetreibern und Arbeitgebern, familienfreundlichere Arbeitsbedingungen zu schaffen, machen den Gesundheitssektor auch für Frauen attraktiver.

Auf die Sektoren bezogen zeigt die Statistik ebenfalls leichte Abweichungen. So weist der Spitalsektor einen Frauenanteil von 47 Prozent auf, während es im Praxissektor 41 Prozent sind. Dementsprechend ist es etwas wahrscheinlicher, im Spital eine weibliche Ärztin anzutreffen als in der Praxis.

Alterserhebung: Wichtiger Ausblick für die Zukunft

Die Erfassung des Alters aller Medizinerinnen und Mediziner der Schweiz gehört gleichermaßen zu den jährlichen Aufgaben bei der Erstellung der FMH-Ärztestatistik. Dieser Schritt ist bedeutend, denn das durchschnittliche Alter zeigt, wie es um die Zukunft der Versorgung bestellt ist. Liegt es auf recht hohem Niveau und gehen bald viele Ärztinnen und Ärzte in Pension, kann es zu Engpässen kommen.

Ärztinnen waren laut Statistik im Jahr 2020 durchschnittlich 46,4 Jahre alt, Ärzte kamen auf ein Durchschnittsalter von 52,7 Jahren. Der Gesamtdurchschnitt liegt folglich bei genau 50 Jahren. In Praxen waren die Medizinerinnen und Mediziner dabei im Schnitt deutlich älter als in Spitälern. Hier steht es 54,8 Jahre zu 44,1 Jahre. Diese Differenz erklären sich die Expertinnen und Experten vor allem damit, dass in Spitälern viele junge Assistenzärztinnen und -ärzte nach dem Studium tätig sind, um erste Schritte in der Praxis zu gehen.

Der Altersdurchschnitt im Allgemeinen zeigt: Auch in der Schweiz könnte es in den kommenden Jahren notwendig werden, sich im Speziellen auf das Thema Nachwuchs zu konzentrieren und so Versorgungslücken vorzubeugen. Dass die Schweiz auch in der Zukunft auf den medizinischen Zuzug aus dem Ausland angewiesen sein wird, ist wahrscheinlich.

 

Quelle des Bildes; Urheber des Bildes: svershinsky

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