News

Kontrolle über das eigene Geld zurückbekommen - DeFi Experte Marvin Steinberg zeigt, wie es geht

Gepostet: 18.10.2021
Article Cover

Unser Finanzsystem ist seit vielen Jahren Gegenstand vieler Fachdiskussionen. Seit der grossen Finanzkrise von 2008/2009 geht es vor allem darum, wie sich das Finanzsystem dauerhaft stabilisieren lässt.

Unser Finanzsystem ist seit vielen Jahren Gegenstand vieler Fachdiskussionen. Seit der grossen Finanzkrise von 2008/2009 geht es vor allem darum, wie sich das Finanzsystem dauerhaft stabilisieren lässt. Auf der anderen Seite pumpen Zentralbanken grosser Währungsräume wie der EU oder USA sehr grosse Mengen Geld in die Märkte und kaufen Schulden auf. Verbraucher und Anleger stehen dieser Entwicklung oft machtlos gegenüber. Nach Ansicht von DeFi-Experte und Selfmade-Millionär Marvin Steinberg muss dies jedoch nicht sein. Mit dem DeFi existiert nämlich eine Alternative, die den Verbrauchern endlich wieder mehr Freiheiten und die Kontrolle über die eigenen Finanzen einräumt.

Ein dezentrales Finanzsystem (DeFi) als Lösung aller Probleme?

Der Begriff DeFi kommt in den letzten Monaten häufiger auf und stammt eigentlich aus der Krypto-Szene. „Trotzdem handelt es sich dabei nicht um irgendeinen Krypto-Trend“, erklärt Marvin Steinberg. Vielmehr gehe es um eine völlig neue Art der Organisation für unser Finanzsystem.

Das herkömmliche Finanzsystem sei zentralistisch aufgebaut. Oben steht die jeweilige Zentralbank, die wichtige Rahmenbedingungen für die Intermediäre (Banken und Finanzdienstleister als Mittelsmänner) vorgebe, so Steinberg weiter. Dabei geht es in erster Linie um die jeweiligen Leitzinsen, um so die Geldschöpfung und in gewisser Weise auch unser finanzielles Verhalten zu steuern. Dazu erklärt der Experte:

„Dieser Aufbau nimmt den Marktteilnehmern sehr viel Freiheiten. Ob nun der Zugang zum Finanzmarkt und entsprechenden Finanzprodukten oder der Zugriff auf das eigene Kapital zu jedem beliebigen Zeitpunkt – all diese Aspekte werden von aussenstehenden Entscheidungsträgern bestimmt, auf die wir keinen Einfluss haben. Wir müssen Anträge stellen, um ein Girokonto oder ein Depot zu eröffnen und die Banken verdienen Geld mit unserer Liquidität, solange wir sie auf unseren Konten lagern. Ein Mitspracherecht haben wir dabei nicht. Zu allem Überfluss verlangen Intermediäre wie Banken auch noch relativ hohe Gebühren für derlei Transaktionen.

Im DeFi sieht das ganz anders aus: Hier werden Intermediäre und auch zentrale Steuerungsorgane durch Computerprogramme ersetzt. Das System basiert auf der Blockchain-Technologie und auf sogenannten Smart Contracts, die alle Transaktionen nach Anstoss und Prüfung der Voraussetzungen automatisch ausführen. Auf diese Weise wird quasi ein selbst fahrender Finanzmarkt geschaffen.

Wie DeFi uns zu mehr finanzieller Freiheit verhelfen kann

Ein dezentrales Finanzsystem verzichtet also weitgehend auf zentrale Entscheidungsträger. Dabei stellt sich fast automatisch die Frage, wie dies zu mehr Freiheit verhelfen kann.

Marvin Steinberg sieht die grösste Stärke darin, dass wir jederzeit selbst über unser Kapital verfügen: „Ob wir nun Geld versenden, dezentral einen Kredit vergeben (Lending) oder anderweitig Geld investieren – die Transaktionen nehmen nicht erst den Umweg über einen Mittelsmann (Intermediär), sondern werden direkt vom Initiator zum Adressaten umgesetzt. Dies führt gleich zu mehreren Vorteilen:

-      Die Transaktionen sind deutlich schneller

-      Die Transaktionsgebühren fallen bedeutend niedriger aus

-      Keine fremde Instanz kann über Erfüllung oder Nichterfüllung der Transaktion entscheiden

-      Keine zentrale Entscheidungsinstanz ist in der Lage, das System teilweise oder sogar komplett lahmzulegen

Zudem bietet die Blockchain-Technologie ein hohes Mass an Sicherheit, da alle Transaktionen verschlüsselt in der Blockchain gespeichert werden. Entsprechende Manipulationen lassen sich so leichter erkennen.

Unter dem Strich führt DeFi also zu einem freien, unzensierten, offenen und kostengünstigen Finanzsystem. Diese Technologie hat das Potenzial, unser finanzielles Leben zu revolutionieren.“

Lending, Staking und Co.: Wie sich das DeFi-Ökosystem schon heute nutzen lässt

Die Entwicklung im Bereich DeFi steckt noch in den Kinderschuhen. Marvin Steinberg ist davon überzeugt, dass in den nächsten Jahren noch viele Möglichkeiten entwickelt werden, Finanzprodukte dezentral in Anspruch zu nehmen. Doch auch heute existieren bereits verschiedene Optionen:

1.   Lending: Kredit dezentral vergeben

Dezentrale Apps (dApps) und Protokolle wie MakerDAO, Aave und Compound ermöglichen es Nutzern heute, dezentral Kredite zu vergeben und aufzunehmen. Die entsprechenden Smart Contracts prüfen im Vorfeld automatisiert die Erfüllung der Voraussetzungen und führen den Geldtransfer durch. Im Gegenzug fliessen Zinsen an die Kreditgeber. Da keine Bank zwischengeschaltet wird, fallen so gut wie keine Gebühren an und die Kreditvergabe ist binnen Minuten erledigt. Wer dabei sogenannte Stablecoins (schwankungsgeschützte Kryptowährungen, die FIAT-Währungen abbilden) wie DAI von MakerDAO nutzt, kann durchaus sehr ansehnliche Renditen einfahren.

2.   Staking und Liquidity Mining: Mittels eigener Liquidität das System stabilisieren

Staking und Liquidity Mining räumen Nutzern die Möglichkeit ein, durch Hinterlegung eigener Liquidität entweder die Blockchain einer Kryptowährung abzusichern (Staking) oder anderen Nutzern die Liquidität für Transaktionen zur Verfügung zu stellen (Liquidity Mining). Uniswap ist eine beliebte dApp, welche entsprechende Transaktionen ermöglicht. Den Investoren winken zum einen zusätzliche Token als Rendite auf ihre Vermögenswerte und zum anderen Governance Token, mit denen sie die zukünftige Gestaltung einer Plattform wie Uniswap mitgestalten können.

„Diese Beispiele bilden nur einen sehr geringen Teil der Möglichkeiten ab, die DeFi heute schon kann. Ob nun Geld transferieren, Versicherungen abschliessen oder dezentrales Trading – all das lässt sich über DeFi heute schon kostengünstiger und schneller abwickeln als im herkömmlichen Finanzsystem“, erklärt Steinberg begeistert.

DeFi-Experte Steinberg möchte möglichst vielen Nutzern DeFi näherbringen

Diese Begeisterung für „decentralized finance“ möchte Marvin Steinberg möglichst vielen potenziellen Nutzern näherbringen. Aus diesem Grund verfasst er gerade ein umfassendes Buch zum Thema DeFi, der genauen Funktionsweise sowie den unfassbaren Möglichkeiten der Technologie. Sein erklärtes Ziel: Bis zum Jahr 2025 mindestens einer Milliarde Menschen die Vorzüge zu erklären und sie vom dezentralen Finanzsystem überzeugen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Technologie weiterentwickelt. Fest steht jedenfalls, dass DeFi mehr ist als nur der nächste Krypto-Trend.  

RUBRIKEN NEWS

LOKALE NEWS

Werbung