Wer hat, dem wird gegeben
Suchmaschinen wie Google sind heute die wichtigsten Verkehrspolizisten im Internet. Wer via Internet Kunden gewinnen will, sollte in seinem Fachgebiet bei Google und Co. weit oben stehen. Wegen der Bedeutung der Suchmaschinen ist eine ganze Branche von Beratern herangewachsen.
Von Hansueli Schöchli in "der Bund": Das Internet hört nicht auf zu wachsen. Nach einer Zählung entstehen täglich 7 Millionen neue Webseiten. Der Überblick ist da unmöglich. Deshalb behelfen sich immer mehr Internet-Nutzer mit einer Suchmaschine. In den USA zählten Maktforscher für den Monat April dieses Jahres total über 5 Milliarden Suchanfragen: Das waren im Schnitt rund 20 Suchanfragen für jeden US-Einwohner (einschliesslich Kleinkinder) und lag mehr als 80 Prozent über der Marke des Vorjahres. In der Schweiz brauchen laut einer in diesem Frühling publizierten Erhebung der Werbemittelforschung AG (Wemf) fast 70 Prozent der Internet-Nutzer Suchmaschinen mehrmals pro Woche oder gar täglich. Einzig das E-Mail erreicht mit knapp 83 Prozent noch höhere Nutzungswerte. Vor allem für Klein- und Mittelbetriebe bekommen die Suchmaschinen im Marketing eine steigende Bedeutung: Wer via Internet Kunden gewinnen will, ist gescheiter bei den Suchmaschinen vermerkt und zwar ganz oben. Wer selbst oft mit Suchmaschinen arbeitet, kann die Aussage von Fachleuten wahrscheinlich bestätigen: "Die meisten Leute beachten nur die erste Seite der Suchmaschine das heisst maximal die ersten 10 Treffer." Und dies bei oft Zehntausenden von Treffern. GOOGLE UND DER REST "Suchmaschine" heisst zurzeit vor allem Google. Das amerikanische Unternehmen ist an der Börse derzeit fast 120 Milliarden Dollar wert und hat seine Marktführung zuletzt sogar noch ausgebaut. Googles Marktanteil liegt derzeit bei etwa 50 Prozent in den USA und gar bei rund 80 Prozent in Deutschland und der Schweiz. Laut Angaben des Unternehmens sind bei Google über 8 Milliarden Webseiten registriert. "Wer bei Google nicht bekannt ist, der existiert im Internet nicht", so geht der Branchenspruch. Klein- und Mittelbetriebe spüren die Bedeutung des Spruchs, indem ein Aufstieg oder Abstieg in der Rangliste der Google-Treffer erhebliche Umsatzbewegungen bringen kann. GESCHÄFTE FÜR BERATER Fast zwangsläufig ist mit der steigenden Bedeutung der Suchmaschinen eine ganze Beraterbranche herangewachsen, die erste Hilfe im Umgang mit den Maschinen anbietet. Der Suchbegriff "Suchmaschinen-Marketing" bringt bei Google rund 2 Millionen treffer, in der Schweiz sind es auch bereits 47'000 Treffer. Ganz oben in der Schweizer Hitliste erscheint die Firma Wordsites, der Schweizer Ableger eines weltweiten Franchising-Verbunds. Wie also kommt man ganz nach oben in der Trefferliste? "Google schaut auf über 100 verschiedene Faktoren", sagt Beat Zgraggen, Geschäftsführer von Worldsites Schweiz. Im Wesentlichen gehe es aber um zwei Hauptkriterien: · Was bietet der eigene Internet-Auftritt zu den gesuchten Stichworten? Viele Seiten sind besser als nur eine Seite. Gut ist, wenn die Stichworte im Titel und im Fettgedruckten vorkommen. · Was sagen die anderen über meinen Internet-Auftritt? Je "populärer" eine Internetadresse (d.h. je mehr Links auf sie verweisen), desto besser steht sie bei Google da. Eine Rolle spielt auch das Gewicht der Verweise: Je populärer und branchennäher der Absender einen Links, desto höher wird der Link gewichtet. Je mehr andere Links der Absender auch noch hat, desto geringer wird dagegen der einzelne Link gewichtet. "Was nicht auf der ersten Seite (in der Trefferliste) erscheint, ist praktisch wertlos", bekräftigt Ernest Peter von der Berner Beratungsfirma Netconsult. Die Netconsult schaffte es beim Stichwort "Suchmaschinen-Marketing" nur auf Seite 2 unter 47000 Einträgen, landete aber immerhin beim Begriffspaar "Suchmaschinen-Marketing" und "Bern" ganz oben. Peters Empfehlungen zum Internet-Auftrittähneln jenen von Beat Zgraggen: möglichst substanzieller Inhalt, eine saubere technische Einrichtung (damit die Suchmaschinen nicht schon bei der Einstiegsseite hängen bleiben) sowie die gegenseitige Verlinkung mit Geschäftspartnern, um im Popularitätswettbewerb Punkte zu sammeln. OBEN LEBT ES SICH GUT Die Bedeutung dieses Popularitätswettbewerbs hat Google schon oft den Vorwurf eingebracht, die Ungleichheiten noch zu verschärfen.: Wer schon oben ist, wird noch stärker, und wer unten ist, wird ignoriert. Eine Studie von zwei amerikanischen Forschern hat diese Sicht kürzlich bestätigt. Deren Befund: Die 20 Prozent der Webseiten mit den meisten Links erheilten in der siebenmonatigen Untersuchungsperiode 70 Prozent aller neuen Links während die untersten 60 Prozent praktische keine neue Links erheilten. Das Fazit der Forscher: Wegen Suchmaschinen wie Google bräuchten neue Webseiten selbst bei sehr guter Informationsqualität viel länger, um sich durchzusetzen. Über die Jahre gab es viele Versuche, Google & Co. mit Tricks zu überlisten. Einer dieser Tricks war der Kauf von Links von spezialisierten Link-Banken. Google antwortete mit regelmässigen Revisionen seiner Software, mit schwarzen Listen und mit Strafpunkten für Sünder in den Trefferlisten. Berater Ernest Peter spricht von einem "Rüstungswettlauf" zwischen Schummlern und Suchmaschinen. Beat Zgraggen nennt es ein "Katz und Maus-Spiel". Das Schummeln "lohnt sich nicht" schiebt Zgraggen nach: Google habe 1'000 Ingenieure, welche das Programm täglich verbesserten - und wenn diese die Tricks einer Frima nicht bemerkten, "dann merkt es sicher ein Konkurrent" - der die Sache auffliegen lasse. Quelle: "Der Bund" vom 17.6.06