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Top-Verdiener im Home-Office: Der Job als Ghostwriter

Gepostet: 11.03.2019
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Akademische Ghostwriter schreiben wissenschaftliche Arbeiten - und erhalten dafür satte Honorare. Was sind die Vor- und Nachteile des Jobs als «akademischer Söldner»? Wir haben uns das Berufsbild des Ghostwriters genau angesehen und mit einem langjährigen Autor gesprochen.

Im Home-Office zu arbeiten hat viele Vorteile: Man spart sich Pendelzeit und Ärger, der Dresscode ist leger, die Zeiteinteilung meist flexibel. Schon lange ist es üblich, dass beispielweise Programmierer und Designer häufig von zu Hause aus arbeiten. Durch das Berufsbild des Ghostwriters eröffnen sich die Vorteile des Home-Office Akademikern aus den unterschiedlichsten Fachbereichen.

«Mit einem geisteswissenschaftlichen Abschluss eine Anstellung mit vergleichbar guten Konditionen zu finden, ist nahezu unmöglich», erzählt uns Johannes Karl, ein Autor der renommierten Ghostwriter-Agentur ACAD WRITE. Seit fünf Jahren schreibt er dort für Kunden aus dem deutsch- und englischsprachigen Raum. Die 2004 gegründete Agentur mit Sitz in der Schweiz beschäftigt international über 500 wissenschaftliche Autoren, etwa ein Viertel davon widmet sich hauptberuflich dem Ghostwriting von akademischen Arbeiten.

Die Entlohnung kann sich sehen lassen: Für kleinere Arbeiten kassiert ein Ghostwriter in etwa 500 bis 1.000 Franken, grössere Arbeiten spielen sich häufig in der Dimension von 3.000 Franken und mehr ab. Doch auch die Anforderungen sind hoch, jeder ist bestimmt nicht für den anspruchsvollen Job geeignet. Grundvoraussetzung ist natürlich ein hoher akademischer Abschluss. Seriöse Agenturen beschäftigen ausschliesslich Autoren, die zumindest einen Master-Titel oder einen vergleichbaren akademischen Abschluss vorweisen können und bestätigen dies mit einem Background-Check. Des Weiteren bedarf es eines soliden Verständnisses für die hohen Standards des wissenschaftlichen Arbeitens, sowie eines talentierten und geübten Händchens fürs Schreiben. Wer seinen Haus- und Seminararbeiten schon während des Studiums mit Aversion begegnet ist, der ist als Ghostwriter sicher fehl am Platz. Wem das akademische Arbeiten jedoch besonders liegt, der kann sich in diesem Beruf über hohe Themenvielfalt und viel Abwechslung freuen.

Autoren wählen ihre Themen selbst aus

Die Abwechslung ist es auch, was Johannes Karl besonders gut an seinem Beruf gefällt: «Kein Auftrag ist wie der andere, ich setze mich jeden Tag mit anderen, spannenden Themen auseinander. Schliesslich kann ich mir auch aussuchen, für welche Aufträge und Themen ich mich bewerbe und für welche nicht», so der Ghostwriter. Wichtig sei jedoch, dass man in der Lage ist, sich schnell und selbstständig in neue Gebiete einzuarbeiten. Ein gewisses Mass an Autodidaktismus sei daher vorauszusetzen. Die hohe Flexibilität bei der Auftrags- und Themenwahl sorge auch dafür, dass viele Autoren nebenberuflich als Ghostwriter arbeiten oder sich dem Job zur Überbrückung zwischen anderen Karrierezielen widmen.

Und was sind die Nachteile des Berufsbilds?

«Manche Kunden sind schon etwas nervig», gesteht Johannes Karl, «vor allem dann, wenn ihnen im Nachhinein etwas einfällt, was man schon wissen hätte müssen, bevor man mit dem Schreiben loslegt.» Daher sei es besonders wichtig, eine solide und seriöse Agentur hinter sich zu haben, die sich bei Konfliktfällen einschaltet und eine zufriedenstellende Lösung für den Autor findet.

Auch wenn man die Aufträge über eine Agentur erhält, bedeutet der Job als Ghostwriter natürlich, grundsätzlich Freelancer zu sein. Man muss sich also selbst versichern und seine Steuern zahlen. Das gefällt natürlich nicht jedem. Auch mit dem Zeitmanagement umzugehen, sei eine Herausforderung. «Häufig werden mir gerade dann die interessantesten Aufträge angeboten, wenn ich schon vollkommen ausgelastet bin. Vor allem, wenn das Thema ein persönliches Steckenpferd von mir ist, fällt es mir dann schwer, Nein zu sagen», erzählt der akademische Autor.

Am Ende des Tages sei Johannes mit seinem Job aber vollends zufrieden. «Wie alles im Leben hat auch Ghostwriting seine Vor- und Nachteile. Ich persönlich würde die Freiheiten dieser Tätigkeit jedenfalls nicht mehr gegen einen normalen Büro-Job tauschen», so der Ghostwriter.

Bildquelle: https://unsplash.com/photos/C3V88BOoRoM

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